

„Nürnberg forscht 2“ knüpft an das Vorgängerprojekt an und bringt den Citizen-Science-Ansatz in ausgewählte Quartiere Nürnbergs: Menschen können sich an der wissenschaftlichen Erforschung ihres Stadtteils aktiv beteiligen und ihr Alltagswissen einbringen. Dabei stehen vielmehr sozialräumliche und interkulturelle als bauliche Fragen im Vordergrund - etwa Fragen des sozialen Zusammenhalts, alltäglicher Interaktionen oder der Nutzung von Begegnungsräumen.
Viele Menschen prägen das Leben in Nürnbergs Stadtteilen, doch nicht alle Stimmen finden in klassischen Beteiligungsformaten gleichermaßen Gehör. Besonders Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sind häufig unterrepräsentiert, obwohl ihre Erfahrungen und Sichtweisen sehr wertvoll sind.
Hier setzt das Projekt an: Bewohner*innen werden eingeladen, selbst zu Forschenden zu werden und ihr Wissen über ihr Lebensumfeld zu teilen. Mit Methoden wie Community Mapping, Stadtteilspaziergängen, Fokusgruppen und Interviews entsteht ein vielschichtiges Bild des Alltags – direkt aus der Perspektive derjenigen, die ihn gestalten.
In der Citizen Science können alle mitforschen - auch ohne Studium oder wissenschaftlichen Beruf. Es gibt zahlreiche Projekte in den Bereichen Umwelt, Natur und Technik, in denen Menschen ihre Umwelt beobachten, Daten sammeln, Informationen auswerten oder eigene Ideen und Fragestellungen in die Forschung miteinbringen.
Aber auch in der Sozialforschung eignen sich Citizen-Science-Projekte sehr gut, um das Wissen von Bürger*innen für die Entwicklung der Gesellschaft zu gewinnen. Denn jeder und jede beobachtet gesellschaftliche Entwicklungen im persönlichen sozialen Umfeld und sammelt dadurch (bewusst und unbewusst) gesellschaftsrelevantes Wissen.
Social Citizen Science ist also eine besonders praxisbezogene, lebensnahe Form der empirischen Forschung und bietet einen unmittelbaren Zugang zu wertvollem Alltagswissen.
Ein zentrales Ziel ist es, Beteiligung für alle zugänglich zu machen. Das Projekt schafft Räume, in denen Menschen ihre Erfahrungen teilen können – unabhängig von Herkunft, Sprache oder sozialem Hintergrund. Durch den gemeinsamen Forschungsprozess entstehen neue Einblicke in die Dynamiken von Stadtteilen und Quartiere. Zugleich gestalten wir Beteiligung niedrigschwellig und öffnen den Zugang zu wissenschaftlichen und planerischen Prozessen, innerhalb dieser die Citizen Scientist wissenschaftlich und pädagogisch von uns begleitet werden. Damit entstehen Erkenntnisse, die nicht nur wissenschaftlich wertvoll sind, sondern auch konkrete Ideen und Impulse für das direkte Miteinander vor Ort und auch für eine diversitätssensible Stadtteilentwicklung liefern. Die Citizen Scientist erleben Empowerment und Selbstwirksamkeit, was die Motivation für ein nachhaltiges Engagement - sei es im Stadtteil oder außerhalb - fördern kann.
Das Projekt geht mit dem Citizen-Sience-Ansatz zunächst in zwei bestehende Stadtteile Nürnbergs. Aufbauend auf diesen Erfahrungen beziehen wir im weiteren Verlauf auch das neue Stadtquartier Lichtenreuth ein. Dieses wird bis 2030 rund 6.000 Menschen ein Zuhause bieten. Vielfalt soll hier von Beginn an sichtbar werden: Interkulturelle Netzwerke, Beteiligungsstrukturen und gemeinschaftliche Orte sollen frühzeitig wachsen können.



Die Projektlaufzeit von Janaur 2026 bis Dezember 2028 beginnt mit einer Bestandsanalyse, der Vernetzung von relevanten Akteur*innen sowie der Akquise von Citizen Scientists. Ab September 2026 beginnt das aktive Forschen in zwei augewählten Stadtteilen und daran anschließennd in Lichtenreuth. Die Analyse und der Wissentransfer markieren ab Juli 2028 den Projektabschluss.
„Nürnberg forscht“ ist ein Projekt im Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) 2021-2027 und wird von der Europäischen Union kofinanziert.